Medienberichte

Toggenburger Tagblatt: 9. Februar 2016, 02:35 Uhr

Das Töffli, Modell Puch Velux, auch Eiertank genannt, ist Silvio Schnellis ganzer Stolz. Mit Jahrgang 1963 ist es älter als sein 46jähriger Fahrer. (Bild: Bilder: Anina Rütsche)

«Fürs Töffli ist man nie zu alt»

 

Silvio Schnelli fährt Töffli, mit Leidenschaft und bei jedem Wetter. Mit Gleichgesinnten hat er 2015 den Verein Töfflibuebe Toggenburg (TBT) gegründet. Für den Bütschwiler ist das Töffli mehr als ein Hobby – es ist sein Lebensstil.

ANINA RÜTSCHE

TOGGENBURG. Das Einfache, die Emotionen, die Technik: Es gibt viele Gründe, warum Silvio Schnelli von Oldtimer-Töffli fasziniert ist. Er liebt die Arbeit in der Werkstatt, das Schrauben, wie er sagt, ebenso wie die Ausfahrten. Beide Leidenschaften teilt der Bütschwiler mit seinen Kollegen vom Verein Töfflibuebe Toggenburg, kurz TBT. Insgesamt 13 Mitglieder aus Bütschwil und Umgebung gehören zur Gruppe, die seit April 2015 in der heutigen Form besteht und die einzige ihrer Art im Toggenburg ist (siehe Kasten).

Heimliche erste Ausfahrt

Auch wenn der Name Töfflibuebe etwas anderes vermuten lässt: Im Verein engagiert sich auch eine Frau. Auch Silvio Schnellis Partnerin ist nämlich gerne mit dem Töffli unterwegs. Für ihn ist das Töffli mit allem Drum und Dran mehr als ein Hobby, ja, er bezeichnet es als seinen Lebensstil. «Töfflifahren, das musst du im Blut haben», davon ist der gelernte Carrosseriespengler überzeugt. «Ein Töffli ermöglicht die ersten Erfahrungen mit einem Motorfahrzeug – so etwas prägt einen für immer.»

Etwas Besonderes sei die Töffli-Premiere auch bei ihm gewesen, erinnert sich Silvio Schnelli. Als Zehnjähriger knatterte er heimlich mit dem Töffli seines grossen Bruders durch die Gegend. «Als das herauskam, gab es ein Donnerwetter», erinnert sich der heute 46-Jährige und lacht schallend. «Doch der Spass am Töffli ist geblieben.»

Eine Liebe in zwei Phasen

Als Jugendlicher, in den Achtzigern, habe er schliesslich seine erste Töffliphase erlebt, erzählt Silvio Schnelli. Nach bestandener Autoprüfung aber gab er sein Töffli an einen jüngeren Burschen weiter. «Ich wollte etwas Neues und hatte bald andere Prioritäten.» Viel später kam der Tag, an dem ein Kollege ihm sein kaputtes Oldtimer-Töffli schenkte. Das war vor drei Jahren. Silvio Schnelli, Bastler und Schrauber, restaurierte das in die Jahre gekommene Puch Maxi und versah es mit einer frischen Lackierung. Nach getaner Arbeit verkaufte er das wieder strassentauglich gewordene Kultobjekt übers Internet. Doch kurz nachdem er das Gefährt dem Käufer überlassen hatte, bereute er diesen Schritt: «Ich merkte, dass ich wieder selbst Töffli fahren wollte, es juckte mich richtig.» Also besorgte sich der Bütschwiler das orange Puch Velux, auch Eiertank genannt, das er heute als sein Lieblingsstück bezeichnet. Erneut war es um ihn geschehen, und die zweite Töffliphase begann. Wenn er auf dem Töffli sitze, könne er seinen Kopf auslüften, schwärmt Silvio Schnelli. Er weiss nun: «Eigentlich ist man nie zu alt fürs Töfflifahren.»

Verlässlich und aufrichtig

Dank seines wiederentdeckten Töffli-Lebensstils hat Silvio Schnelli in den vergangenen drei Jahren viele Kontakte geknüpft. Einerseits sind da die TBT-Kollegen, andererseits die Gleichgesinnten an den Töffli-Treffen, die regelmässig stattfinden. «Die Leute in der Szene sind aufrichtig und verlässlich», fasst Silvio Schnelli zusammen. «Wenn man Hilfe braucht, ist jemand zur Stelle.» So sei das auch, wenn es um Reparaturen gehe. Silvio Schnelli verfügt dank seines Berufs als Carrosseriespengler über einiges an Können und Wissen, um alte Fahrzeuge wieder flott zu machen.

Alles, was spezifisch mit den Töffli zu tun hat, hat er sich selbst beigebracht. «Heutzutage gibt es nur noch wenige Mechaniker, die sich mit den Töffli auskennen», verrät er. So kam es, dass Schnellis Werkstatt bald zum Treffpunkt der jugendlichen Töfflifans wurde. Auch sie sind nun Mitglied des Vereins TBT und nennen Schnelli scherzhaft «den Schmierler», weil er beim Flicken und Fahren stets auf die Sicherheit achtet.

Silvio Schnelli besitzt mehrere Töffli, viele dienen als Ersatzteillager, zwei davon sind derzeit fahrbar. Mit Motorrädern und Rollern kann der 46-Jährige nichts anfangen, ihm fehlt dabei die Nostalgie. Dass seine Töffli bloss 30 Kilometer pro Stunde zurücklegen können – «wenn sie gut eingestellt sind, auch mal 35» –, stört Silvio Schnelli nicht. Im Gegenteil: «In diesem Tempo kann ich die Fahrt am besten geniessen.»

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TBT

Der erste Töffliclub im Toggenburg

TBT, «Töfflibuebe Toggenburg», so nennt sich die Gruppe um den Bütschwiler Silvio Schnelli, die seit Frühjahr 2015 besteht. «Die Churfirsten im Rücken und los geht’s», steht auf der Website des Vereins, dem all jene beitreten können, die ein altes Töffli haben, technisch versiert sind und sennische Umgangsformen pflegen.

Das Ländliche und Urchige hat bei den «Töfflibuebe Toggenburg» einen grossen Stellenwert, denn es verweist auf ihre Herkunft. Darum tragen die Mitglieder Edelweisshemden, auf denen ihr selbstkreiertes Logo prangt, und Sennengürtel. Zu den «Töfflibuebe Toggenburg» gehören 13 Mitglieder zwischen 15 und 55 Jahren, darunter ist auch eine Frau. Regelmässig fahren sie mit ihren restaurierten Mopeds vom Toggenburg bis ins Tessin und in die Westschweiz. (pd/aru)

toefflibuebe-toggenburg.ch sch.silvio@gmx.ch

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Treffen im August

Ein Wochenende für Töffliverrückte

Der Verein TBT veranstaltet am 6. und 7. August ein Töfflitreffen in Bazenheid. Erwartet werden mehrere hundert Gäste aus dem In- und Ausland. Zum Programm gehören zwei Rundfahrten und ein Besuch im Töfflimuseum im Zweiradcenter Toggenburg in Lütisburg, in dem unter anderem frühe Modelle aus den 1930er- Jahren zu sehen sind. Auch eine Festwirtschaft und ein Zeltplatz gehören dazu. (pd/aru)Weitere Artikel zu diesem Thema: